KI im Unternehmen: Wo sie hilft und wo nicht

Künstliche Intelligenz kann Texte zusammenfassen, Informationen sortieren, Inhalte erstellen und wiederkehrende Aufgaben beschleunigen. Das klingt erst einmal nach einer Lösung für viele Herausforderungen im Arbeitsalltag. Doch zwischen einer überzeugenden Demo und einem sinnvollen Einsatz im Unternehmen liegt oft ein entscheidender Unterschied: KI bringt nur dann einen echten Mehrwert, wenn sie ein konkretes Problem löst.

Die Frage ist deshalb nicht, wo sich KI überall einsetzen lässt, sondern: Welche Aufgaben werden dadurch einfacher, schneller oder besser und welche sollten lieber anders gelöst werden?

Nicht jede Aufgabe braucht KI

KI eignet sich besonders für Aufgaben, bei denen Informationen verarbeitet werden müssen, die nicht immer gleich aufgebaut sind. Dazu gehören beispielsweise Texte, E-Mails, Dokumente oder umfangreiche Informationssammlungen.

Bei klaren, wiederkehrenden Abläufen kann dagegen eine klassische Softwarelösung oder eine regelbasierte Automatisierung die bessere Wahl sein. Sie arbeitet nach festen Vorgaben, ist nachvollziehbar und liefert bei gleichen Eingaben zuverlässig das gleiche Ergebnis.

Ein paar Beispiele zeigen, worauf es ankommt:

Die Beispiele machen deutlich: KI ist nicht automatisch die richtige Lösung für eine Aufgabe. Sie kann unterstützen, vorbereiten oder Vorschläge machen. Ob sie den gesamten Ablauf übernehmen sollte, ist eine andere Frage.

Eine Aufgabe zu automatisieren ist nicht dasselbe, wie einen Prozess zu automatisieren

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, eine einzelne Tätigkeit zu betrachten und daraus direkt ein KI-Projekt abzuleiten.

Nehmen wir den Umgang mit Kundenanfragen. Eine KI kann eingehende Nachrichten nach Themen sortieren, wichtige Informationen erkennen und einen Antwortentwurf erstellen. Das kann Mitarbeitende entlasten.

Der eigentliche Prozess besteht aber aus mehr als dem Erstellen eines Textes: Die Anfrage muss eingehen, richtig zugeordnet, gegebenenfalls mit Kundendaten abgeglichen, beantwortet und dokumentiert werden. Wenn der KI-Entwurf anschließend manuell in ein anderes System übertragen werden muss, bleibt ein Teil des Aufwands bestehen.

Ein sinnvoller Einsatz betrachtet deshalb den gesamten Ablauf:

  1. Eingang: Wo kommt die Anfrage an?
  2. Verarbeitung: Welche Informationen müssen erkannt oder ergänzt werden?
  3. Entscheidung: Was darf automatisch passieren – und was braucht eine Freigabe?
  4. Übergabe: In welchem System wird weitergearbeitet?
  5. Kontrolle: Wie werden Fehler erkannt und korrigiert?

Erst wenn diese Schritte zusammen gedacht werden, lässt sich beurteilen, ob KI den Prozess tatsächlich verbessert oder nur eine einzelne Tätigkeit beschleunigt.

Fünf Fragen, mit denen sich ein KI-Anwendungsfall prüfen lässt

Bevor ein Unternehmen ein Tool auswählt oder ein Projekt startet, lohnt sich ein Blick auf die Aufgabe selbst. Diese fünf Fragen helfen dabei, mögliche Einsatzbereiche einzuordnen.

  1. Wie häufig kommt die Aufgabe vor?

Eine Tätigkeit, die täglich viele Mitarbeitende beschäftigt, bietet eher Potenzial als ein selten auftretender Sonderfall. Häufigkeit allein reicht allerdings nicht aus: Auch eine regelmäßig ausgeführte Aufgabe kann so wenig Aufwand verursachen, dass sich eine technische Lösung kaum lohnt.

  1. Wie viel Zeit kostet sie heute?

Es sollte klar sein, welcher Aufwand tatsächlich entsteht. Dazu gehören nicht nur die Bearbeitungszeit, sondern auch Rückfragen, Nacharbeit, manuelle Übertragungen und Fehlerkorrekturen. Ohne einen Ausgangswert lässt sich später kaum feststellen, ob die Lösung etwas verbessert hat.

  1. Sind Daten und Regeln ausreichend klar?

Wenn eine Aufgabe nach festen Kriterien abläuft, kann eine regelbasierte Automatisierung oft zuverlässig arbeiten. Wenn Informationen dagegen in unterschiedlichen Formaten vorliegen oder erst interpretiert werden müssen, kann KI sinnvoll sein. Entscheidend ist, ob die nötigen Informationen verfügbar und für die Verarbeitung geeignet sind.

  1. Wie kritisch wäre ein Fehler?

Nicht jede Aufgabe verträgt die gleiche Fehlertoleranz. Ein unpassender Entwurf für einen internen Text ist etwas anderes als eine fehlerhafte Auskunft zu einem Vertrag, einer Zahlung oder einer sicherheitsrelevanten Frage. Je größer die möglichen Folgen eines Fehlers sind, desto wichtiger werden klare Grenzen, Prüfungen und menschliche Freigaben.

  1. Kann das Ergebnis zuverlässig überprüft werden?

KI-Ergebnisse sollten nicht einfach deshalb übernommen werden, weil sie plausibel klingen. Es muss möglich sein, zu erkennen, ob eine Antwort vollständig, korrekt und für den konkreten Zweck geeignet ist. Wenn niemand das Ergebnis sinnvoll prüfen kann, ist der Einsatz besonders kritisch.

Wann klassische Automatisierung die bessere Wahl ist

KI wird häufig als nächste Stufe der Automatisierung verstanden. In der Praxis sind beide Ansätze jedoch unterschiedlich und können sich ergänzen.

Ein Beispiel: Rechnungen sollen anhand einer Kostenstelle und eines Betrags weitergeleitet werden. Wenn die Informationen strukturiert vorliegen und klare Regeln gelten, kann eine klassische Automatisierung die Aufgabe übernehmen: Liegt der Betrag unter einem bestimmten Grenzwert, geht die Rechnung an Stelle A; andernfalls an Stelle B. Dafür braucht es nicht zwingend KI.

Anders sieht es aus, wenn Rechnungen in unterschiedlichen Formaten eingehen, relevante Angaben an verschiedenen Stellen stehen oder Inhalte zunächst interpretiert werden müssen. Hier kann KI Informationen erkennen und einen Vorschlag für die Zuordnung machen. Die anschließende Weiterleitung kann wiederum über feste Regeln erfolgen.

Die beste Lösung ist deshalb nicht immer „KI statt Automatisierung“. Oft ist es eine Kombination aus beiden.

Was bei KI-Projekten häufig schiefläuft

Auch ein passender Anwendungsfall kann scheitern, wenn die Umsetzung nicht zum Arbeitsalltag passt. Besonders häufig sind diese Probleme:

  • Das Tool steht am Anfang: Ein Unternehmen entscheidet sich für eine KI-Anwendung und sucht anschließend nach Aufgaben dafür. Sinnvoller ist es, zuerst den konkreten Bedarf zu verstehen.
  • Der Nutzen bleibt unklar: „Wir wollen KI einsetzen“ ist kein messbares Ziel. Eine bessere Ausgangsfrage wäre beispielsweise: Wie können wir die Bearbeitungszeit bestimmter Anfragen reduzieren, ohne die Qualität zu verschlechtern?
  • Die Prüfung wird vergessen: KI kann Fehler machen oder Informationen falsch einordnen. Wer Ergebnisse ungeprüft übernimmt, verlagert den Aufwand möglicherweise nur in die spätere Fehlerkorrektur.
  • Der Prozess bleibt unverändert: Wenn Mitarbeitende Informationen weiterhin manuell zwischen mehreren Systemen übertragen müssen, wird der Ablauf nicht automatisch effizienter.
  • Die Mitarbeitenden werden zu spät einbezogen: Sie kennen häufig die Ausnahmen, Rückfragen und Umwege, die in einer Prozessbeschreibung nicht auftauchen. Dieses Wissen ist wichtig, um eine Lösung sinnvoll zu gestalten.

Der Einstieg beginnt mit dem Problem, nicht mit dem Tool

Ein sinnvoller KI-Einsatz muss nicht mit einem großen Projekt starten. Oft ist es hilfreicher, zunächst eine einzelne Aufgabe genauer zu betrachten: Wie läuft sie heute ab? Wo entsteht Aufwand? Welche Informationen werden benötigt? Welche Fehler können passieren? Und woran würde man erkennen, dass sich etwas verbessert hat?

Aus dieser Analyse ergibt sich, welcher Ansatz am besten passt: eine bestehende Software, eine klassische Automatisierung, eine KI-Unterstützung oder eine individuell entwickelte Lösung, die mehrere dieser Bausteine verbindet.

Denn nicht jedes Unternehmen braucht dieselbe Technologie und nicht jedes Problem braucht KI. Der Mehrwert entsteht nicht dadurch, dass KI eingesetzt wird. Er entsteht dadurch, dass eine Aufgabe im Unternehmen anschließend besser funktioniert.